LARA BANDILLA

Das Meer

Küste, die im Dunst verschwindet, Meer, gewaltig, weit, mit jeder Stunde sich verändernd, von flachem Glas zu lautem Blau, ein Petrol, mit stumpfem Silber abgemilcht, an der Oberfläche gleichmäßige Wellen wie aus Beton, hineingezerrt mit klarem Blau die eigenartigen Linien der Strömungen, unbegreifliche Schriftzeichen einer anderen Welt, ein Preussischblau, fett aufgetragen, mit Millionen weißer Schaumkronen, eine Armee tanzender Wellen, wild, strahlend,ein Ultramarin auf schwarzen Grund gelegt, darauf die Bahn der Sonne, gleißendes Weißgold, an den Rändern sich Welle für Welle in das Blau ziehend, ein flacher Strahl bei ruhigem Wasser, ein funkelndes, großgerastertes Glitzern bei Wellengang, jedem Lichtkopf seinen eigenen, schwarzen Schatten, spät am Nachmittag, Cyan stark mit Weiß gehellt und einer hauchfeinen Lasur von Sonnengold darüber, so dünn, dass Blau noch nicht zu Grün wird, ein ruhiger Luftton, weit den Horizont nach hinten schiebend, an den Enden der Welt ihn hell und luftig auseinanderziehend, so daß Meer in den Himmel fließt und umgekehrt der Himmel sich in das Meer mischt, dicht über dem Grund flüssiger Kristall, Saphir in der Tiefe, mit muskulösen, schrägen Säulen aus gebrochenem Licht, Aquamarin nah am Ufer, hell, leicht, jedem Stein ein Spiel von Licht und Wellen aufzeichnend, klar und weich am Morgen, warm und schläfrig am Mittag, lachend und wild am Nachmittag, lebendiges, flüssiges Licht.

Hall of fame

Toni Morrison, weil ich mich auf ihrem Schoß einrollen möchte und endlich in Sicherheit wäre, denn sie würde alles, alles verstehen,

Marquez, für "Die unglaubliche und traurige Geschichte von der einfältigen Eréndira und ihrer herzlosen Großmutter", die sich seit zwanzig Jahren in einer meiner Gehirnwindungen festgebissen hat und dort auch nicht wieder weggeht und auch für alles andere,

Proust, denn er kann nichts dafür, dass die ganzen verschissenen Kulturschlampen auf ihn stehen. Er ist wirklich gut.

Matt Ruff, für das gewaltige, saftige Big Badaboum seiner Figuren,

Michel Houellebecq, für die exakte Beschreibung entmenschlichter Monaden, die ja schließlich auch nichts dafür können, einem aber ein Gefühl dafür  vermitteln, wie es im vorderen Schläfenlappen eines

 

toten Autisten aussieht, VanGogh, weil seine Bilder tanzen und Bewegung ist gleich Zeit, Musik ist der Rhythmus des Lebens und der Wahnsinn ist nah, das macht aber nichts, außerdem gehört er gar nicht hierher, das macht aber auch nichts,

Paul Auster, für den mysteriösen Zusammenhang aller Dinge, den man so unbedingt verstehen will, aber es klappt nie ganz,

Agota Kristof für Klarheit, so kristallin und abgespeckt, dass die Raumtemperatur sinkt,

Canetti für die empörende Fackel der Dummheit,

Kundera für das anrührende Winken,

Dostojewsky für das Totenhaus und alle, die sagen er sei etwas für junge Leser sind von zombieartiger Dämlichkeit,

Ransmayer für seine wellenrollende Wortgewalt,

Kehlmann für das feine Erzählen,

Klaus Mann für sein Verzweifeln an Menschen mit lockerer Moral, Murakami für das kleine Schwarze im Fenster vorbeiziehende, das ein Vogel war oder  jemandes Seele, die ans Ende der Welt geweht wurde,

Tolstoj, weil er das Leben verstanden hat und es einem sehr freundlich erklärt und eigentlich möchte man gerne, dass er und Toni Morrison in einem hübschen, zugewachsenen Häuschen leben und es dort nach Holz und Flieder riecht und dass man sie immer besuchen kann, dort in ihrem Häuschen und wenn man es tut scheint jedes Mal die Sonne und wenn man wieder geht, ist man satt, geliebt und klüger als vorher,

und außerdem möchte ich zu einer Teegesellschaft mit Böhme, Keppler und Emerson als Hutmacher, Haselmaus und Märzhase eingeladen werden und ich,

ich möchte Alice sein.

Puttenwahn

Was ging in dem Schöpfer dieses Werkes wohl so vor?

"Hm", dachte er wahrscheinlich, "hm, hier im schönen Berliner Zoo will ich von Engeln künden. Und nicht nur von Engeln, nein, auch von Hasen! Und Spaß sollen sie miteinander haben und tollen und herumkugeln sollen sie und sich sogar ein wenig necken, bis hin zum Unwillen des holden, leicht adipösen Kindes, aber ist es nicht schließlich eben so wie die Natur uns schuf? Unvollkommen in unseren Bemühungen, feist und schwitzig dem Schicksal hinterherjagend - ach, das wird ein Meisterwerk, wahrlich! Engel, Hasen und vielleicht noch ein paar Rüben - Berlin! Erschauere und staune!"

 

 

smoothie my ass

Das ganze web ist voll von Elois. Wesen mit durchdachten Frisuren, die in Einklang mit dem Universum leben und dieses mit Gymnastik- und Ernährungsvideos dokumentieren. Während sie ihre täglichen smoothies schreddern, reden sie von Dankbarkeit, von Harmonie und innerem Frieden. Sie teilen Licht und Liebe, sie sind schön, makellos und ihre Tage sind voller Sonne, von Morgens bis Abends. Manche machen sit-ups an den schönsten Stränden dieser Erde und erklären dabei, dass es die Kleinigkeiten sind, die glücklich machen. Wohlstandshippies, deren dringliche Botschaft lautet, dass ein gesunder Körper und Geist der Schlüssel zum Paradies sind. Sie glauben das wirklich. Das sieht man ihnen an; sie glauben, dass sie sehr gute Menschen sind und dass sie der Welt Gutes tun, weil sie nichts Böses tun. Während die echten Hippies noch Blümchen in Maschinengewehre stopften, verschwenden die Elois ihr Leben nicht mit anderen Personen. Sie sprönkeln Chiasamen über ihr veganes und extrem hübsch anzusehendes Zeug und fühlen sich von dem göttlichen Funken dieser Welt gewertschätzt. Aber stimmt das? Tun wir Gutes, wenn wir nichts Böses tun? Und sind wir gut, wenn unser Hauptanliegen ist, uns nur das Beste zuzuführen? Oder sind wir vielleicht hohle, egozentrierte Monaden, die  "Stirb und Werde" für eine nachhaltige Kleidermarke halten? Heisst gut sein nicht, die eigenen Bedürfnisse manchmal zurückzustellen, statt sich hauptberuflich mit diesen zu beschäftigen?

Vermutlich essen die Elois ihr Brot nie mit Tränen - das ganze Glutein und der helle Weizen, von Anbaumethoden gar nicht zu reden...

Werwolf!

Füssen.

Eine Tür am Kloster St.Mang, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt...

Eindeutig Werwolf.

Arme Füssener.

 

 

What remains of the day

 

. Das Ego ist eine Erfindung - war es Nietzsche, Freud oder Luzifer persönlich? Egal; das Ego ist eine Maske für Trottel und keiner kommt zu Schaden, wenn man es komplett entsorgt. Das Ich, das immer irgendetwas will muss weg.

Der Mensch ist nicht für die Insel gemacht - er will sich hingeben und schenken und für eine Sache sein, statt sich abzugrenzen.

Man ist niemals besser, als wenn man für andere oder etwas anderes da ist.

 

. Menschen mit lockerer Moral sind nicht unterhaltsam, sondern trübsinnig. Und langweilig.

.Alle Lehren, die davon künden, dass jeder Mensch vollständig Herr über sein Schicksal werden könne, wenn er nur wolle, sind Käse - es fehlt die Demut dem Leben und seinen Ereignissen gegenüber. Menschen können viel, aber nicht alles. Jeder, der meint, den Schlüssel zur Lenkung der Welt in den Händen zu haben, schnuppert entweder an der Herrenrasse und hat damit eine bedenkliche Moral oder hat ein nüsschengrosses Gehirn, mit dem er sich eine sichere Ecke im Leben bastelt, zumeist begleitet von viel Sport und bewusster Ernährung.

 

. Wenn Lehren, dann kann man wenig falsch machen mit Viktor Frankl und Kant.

 

Dark Rooms in Lausanne

Die "Collection de l´Art Brut Lausanne" - ein Museum, das sich vorbildlich seinen Inhalten angepasst hat. Ich mag art brut sehr. In sich geschlossene Systeme, die Realität ein ferner Ort, die Platte im Gehirn hängt, arbeitet sich an endlosen Variationen der immer gleichen Kadenz ab und über allem das Verlangen nach Ordnung.

"BRAV", wispert Walla einem nach, wenn man aus den hirnwindunggleichen Räumen wieder in diese Welt auftaucht. Der Schritt wird schneller und man hofft, dass die eigene Platte auch weiterhin immer wieder zurückspringt, wenn sie mal hängt. Und das tut sie ja schließlich bis jetzt, warum nicht auch weiter, man schüttelt sich und vergisst und freut sich an Licht und Luft und Lausanne.

BRAV.

Die Zeit so rund

Wenn die Zeit kreisförmig verläuft, läuft sie immer weiter, nie zurück, und es geht nichts verloren.

Jeder Moment ein für immer, ewig.

Und so stelle ich mir zum Beispiel zwei Menschen vor, die in einem sonnigen und sehr schönen Hotelzimmer die Ewigkeit in diesem Zustand verbringen. Die nach ihnen Kommenden, weitere Augenblicke Füllenden, verlassen das Hotel, leben weiter, gesund und krank, froh und im Streit, altern, sterben - irgendwann. Aber den Beiden in ihrer mit angestaubtem Sonnenlicht gefüllten Blase, denen ist das völlig egal. Sie wissen nichts davon und schwimmen in diesem einen Augenblick aus erstarrter Zeit herum.

Clone Warrior

Berlin, Nähe Martin-Gropius-Bau : mehrere, offensichtlich eingegrabene Clone Warrior!

 

Es beginnt!

 

 

Schöpferspäße

Es gibt Lebensformen, die lustig sind.

Diese Fischwürmer verbringen ihr Leben damit, aus einem Loch zu gucken.

 

Mal nach links. Mal nach rechts.

Meist geradeaus.

Manchmal wuppen sie auch zurück ins Loch.

Ohne Arme und ohne den Wunsch herumzuschwimmen wird die Freizeitgestaltung auch etwas schwierig.

 

Wenn man deprimiert ist, kann man ins Aquarium gehen und sich vor die Fischdinger stellen und versuchen, so zu sein wie sie.

 

They´re coming...

Gesehen in Berlin Schöneberg, Sonntag vormittag.

Es ist davon auszugehen, dass es sich hierbei um einen Zombie handelt.

Das ist bedrückend, würde aber einiges erklären.

Waldhunde

Was ist wurstförmig und weitgehend unbekannt?

 

Der Waldhund!

Lichtfische

Mitten in der Köln, Nähe der U-Bahn Neusser Strasse/Gürtel: ein großer Lichtfisch!

 

Akopalypse!

Shanghai - heute in heiterstem Grau.

 

 

 

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