LARA BANDILLA

Vita / Presse

Die Wahrheit ist nun mal nicht die Wirklichkeit.

 

Die Wahrheit ist einfach und fraglos. "Ich habe Hunger", "Ich habe Schmerzen", "Ich liebe meine Kinder".

Klare Sache, keine Diskussionen darüber.

Die Wirklichkeit dagegen hüpft hin und her, hybrides kleines Miststück und lässt sich weder greifen noch verstehen.

Die Wirklichkeit ist unsere Interpretation und jede Interpretation kann man immer auch anders deuten, auch wenn mit eigenwilligen Interpretationen der Kreis der geteilten Wirklichkeit enorm schrumpfen kann.

Irgendjemand hat einmal gesagt: "Der Verrückte ist nur eine Minderheit".

 

Wirklich wichtig um mit Freude in andere Gedankensysteme abzutauchen ist, dass die Modelle in sich stimmig sind.

Weiterhin wichtig ist - und das sollte man sich ab und zu sagen, während man in die Synchronizität der Ereignisse abdriftet und mit Jung und der Viele-Welten-Interpretation rum macht - dass man versucht, einen gewissen Abstand zu wahren, sonst hat man vielleicht ALLES verstanden, kann jedem seine Zahl zuordnen und sieht die Welt in völlig logischen Kreismodellen, aber man verliert dabei die Zähne und zerfällt und das ist auch nicht schön.

 

Im Hamburger Bahnhof gab es mal eine Ausstellungsreihe "secret universe", die sehr viel Spaß gemacht hat. Leider war nach der dritten Ausstellung Schluss; Kältestrahlen sind nicht jedermanns Sache.

 

 

Wie auch immer, eigentlich geht es um die Sammlung.

Es ist eine immaterielle Sammlung und zwar handelt es sich um Modelle der Wirklichkeit.

Die naturwissenschaftlichen, die utopischen, die religiösen und historischen, vor allem aber die abseitigen Systeme. Die schrägen, die irren, die unauffällig schon die Grenze zum Wahnsinn überschritten haben, aber in sich noch völlig logisch sind.

 

 

Musterbeispiel:   "PREAPOCALYPTIC CHILL"

Schriften fallen ins Auge und wollen beachtet werden, die Welt wird laut, Zeichen werden deutlicher, absurde, irritierende Dringlichkeit...

Gute Zeichen, tröstliche, schnell vorüberwehend, ein kurzes Winken von der anderen Seite, strenge Zeichen, befehlende, die einen nicht mehr in Ruhe lassen...

Die Alltäglichkeit zerweht wie ein alberner Vorhang, die Realität schmilzt, die Dinge sind so deutlich zu sehen, warum sehen es so wenige?, ein Ritter an einem Eingang, ein sicherer Platz, alles bekommt eine Bedeutung, die ganzen Hausfassaden mit ihren harten Engeln, gefallen, zerbrochen, Putten, Atlanten, Giganten, Maria Muttergottes, in ein Haus mit geschlachteten Engeln sollte man nicht gehen...

 

Die Welt wird magisch und ungreifbar, Füchse in der Stadt, eines der Zeichen, von denen nicht klar ist, ob es gut oder schlecht ist, auf jeden Fall bedeuten Füchse eine Veränderung, so sagt man oder war es etwas anderes?, aber dass sie etwas bedeuten ist sicher, oder?

 

Vogelschwärme tanzen durch Himmel, weben Schriftzeichen, die man nicht lesen kann, Fischtunnel, ein Eingang irgendwohin. Oder ein Ausgang, durch den etwas zu uns kommt, vielleicht ist der Kokon unserer ganzen Welt löchrig, von unzähligen Madenlöchern zerwurmt, durch die ständig Lebensformen zu uns kommen, vielleicht ist das der Weg, auf dem Menschen verschwinden, wenn sie einfach so verschwinden...

Vielleicht besteht die ganze Welt aus Klang, vielleicht ist es Musik, nach der die einzelnen Tropfen sich zum Meer formen, vielleicht ist es ein Rhythmus, nach dem die Atomkerne sich aufstellen und so eine bestimmte Art von Materie sind, vielleicht hat jedes Lebewesen seinen eigenen Klang und alles zusammen eine gewaltige Symphonie, die auf keinen Fall gestört werden darf und jede Disharmonie ist Krankheit und Verderben.

Vielleicht gibt es viele Welten, alle an einer Stelle, alle verbunden und verwoben und vielleicht tragen wir in einer Welt manchmal große Kämpfe aus und sind darum in dieser Welt erschöpft, ohne zu wissen warum, vielleicht stürzen wir während des Kampfes oder während wir wegrennen und fallen unglücklich auf den Kopf und haben in dieser Welt Kopfschmerzen oder werden unerklärlich krank an einem Körperteil, weil uns jemand in einer anderen Welt zur gleichen Zeit ein Schwert tief in dieses Fleisch gestoßen hat.

Vielleicht sind die widerlichsten, dämlichsten Kotzbrocken, die hier einsam durch die Straßen humpeln die wichtigsten Verbindungsglieder zu der anderen Welt  und ohne sie würde das ganze System zusammenbrechen und vielleicht sind sie deshalb so unausstehlich, weil sie ihre ganze Energie in ihre Aufgabe stecken müssen, von der sie leider hier selber nichts wissen und einfach keine Kraft haben, irgendwelche soziale Regeln zu verstehen, geschweige denn zu befolgen.

Vielleicht sind diese großen, zerfaserten Wolken, die manchmal sehr langsam, fast bewegungslos durch den Himmel ziehen in Wirklichkeit gewaltige Luftfische, walartig und nach Luftart durchsichtig, so dass man nur ihre weißen Wolkengräten sieht, vielleicht umkreisen sie uns, träge und gleichgültig, während wir als ein sehr bevölkertes Biopartikel durch ein riesiges Wasser treiben und überhaupt gar nichts verstehen.

 

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