Ein Blick über schwereloses Wasser, klare, zauberhafte Weite, ein Horizont aus weißem Gold, Tor in die Unendlichkeit, eine ewige blaue Stimme,

Eine Herde von Bergen, die durch das Wasser ziehen, Buckel der Zeit, zernarbte Rücken, die sich an Sonne und Mondlicht scheuern,

Vögel, Tänzer über dem Erdball, die raue, weiße Anmut der Möwen, das schwarze, schnelle Gleiten der Mauersegler, die den Himmel schneiden mit ihrem Schrei,

Die Strahlen der Sonne unter Wasser, brechendes Glas aus Licht, flüssiger Kristall, in blauer Kühle treibend,

Wolken, die Seelen toter Berge, die ab und zu vorüberziehen, um unter sich die harten, großen Felsen liegen zu sehen, die sie selbst einst waren,

Und über allem und durch alles immer wieder die blinde Weite, Wasser wie Himmel, Meer aus Luft,

eine ewige blaue Stimme.

Die Frische der Luft wurde von Hitze gefressen, die Sonne zog sich, mit lauter Zähnen wie Schwerter lachend, ganz über den Berg, der weiße Rauch war verschwunden, die Zartheit des Himmels einem schlagenden Blau gewichen, auf dem Meer, das in sattem Diamantblau lag, eine Straße aus Sonne, Zikaden setzten an, ihre Messerstimmen an der Hitze zu schleifen.

Die Pflanzen standen still unter dem Gewicht der Hitze, konzentriert darauf nicht zu verbrennen stießen sie ihren flachen, angespannten Atem aus, in dessem schattigen Grün ich mich unterstellte. Die Gräser hatten im Wachstum innegehalten, bemüht unauffällig von der Hitze übersehen zu werden, am Nachmittag wenn die Sonne von diesem Osthang verschwand, pressten sie sich weiter aus der Erde, schnell, um vor dem nächsten Morgen wieder einige heimliche Millimeter größer und stärker zu sein. Palmen standen wie eine Palastwache, aufrecht, stolz, sich der Glut auch nicht einen Zentimeter zu beugen. Kakteen, wie große Schildkröten einer längeren Zeit verhaftet, drang die Hitze so langsam durch ihre blinden Panzer, dass ein Tageslauf der Sonne nicht ausreichte sie begreifen zu lassen; sie standen in der vollsten Glut ohne es zu merken, ohne darunter zu leiden, kräftig, freundlich, in Gedanken weit weg in sich. Wilde Mohnblumen, kleine schreiende Flecken, Ackerwinden, erwachende Niedlichkeit, rosa und weichpfotig, fliederfarbene Glocken aus Stein und Felsen wachsend, immer mit irgendetwas direkt vor sich beschäftigt, so dass man sie nie ansprechen konnte. Mimosen, zu jung um Damen zu sein langweilten sie sich an ihrer Elegie und wurden ob ihrer Langeweile noch elegischer, Oleander, stille robuste Schönheit, Ginster, wild, ich glaube nicht dass es ihn auf seinem Platz hielt, sah keiner hin musste er rennen, die Berge hinauf und hinunter, Pinien, Zypressen, meistens ruhig über allem stehend, manchmal von überraschendem Humor, wenn sie mit einem Zapfen nach mir zielten. Und immer das Geräusch: die Zikaden, Diener der Hitze, die ihrem Herren Luft zufächelten, hörten sie solange die Sonne stand nicht auf beständig ihre Majestät zu preisen.

Und ich vergaß mein Menschsein.

Ich hatte menschliche Gestalt, sie gefiel mir auch, so wie andere Wurzeln oder Pfoten hatten, hatte ich eben Füße, aber ich gehörte zu der Natur die mich umgab und bei der Erinnerung, dass unten im Haus andere schliefen, die mich als zu ihnen gehörend sahen, war mir nicht wohl. Ich verstand nicht warum die Wahrheit, die ich vor Bergen und Meer fühlte, nicht endgültig war gegenüber der anderen Welt im Haus, die mit soviel komplizierteren Banden aus Liebe, Psychologie und Verwirrungen mich fesselte, verstand nicht, warum von der Freiheit wissend, ich in dieser nicht bleiben konnte.

 

 

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